Reise blog von Travellerspoint

Ein Tag voller Ereignisse

Trotz der ungemütlichen Umgebung haben wir beide sehr gut geschlafen. Wenn man die Augen zu macht, sieht man die Dinge, die einen stören ja nicht mehr und im Schlaf ist der Geruchssinn ja bekanntermaßen ausgeschaltet.
Somit sind wir heute Morgen frisch und munter aufgewacht und haben uns voller Tatendrang in den Tag gestürzt.
In einer Broschüre hatten wir gelesen, dass es in Alice Springs ein „Reptile Centre“ gibt, in dem man Chrischi’s heißgeliebte Frillnecklizards bewundern kann. Da wurde gar nicht lange überlegt - dieses Tierzentrum mussten wir uns ansehen.
Also stand dieser Ort ganz oben auf unserer Tagesliste. Im Center angekommen hatte Chrischi keinerlei Augen für die im Vorraum ausgestellten Schlangen und Echsen. Er wollte nur eins – zu seinem Frillneck!
Endlich hatte er das Terrarium gefunden, in dem die Kragenechse gehalten wurde. Doch die Enttäuschung war groß. Das Tier saß regungslos auf einem Ast und hatte seinen Kragen flach am Körper angelegt. „So eine Verarschung! Der ist ja gar nicht echt!“, schimpfte Chrischi. Er klopfte an die Glasscheibe und machte die verrücktesten Fratzen – doch die Echse zuckte noch nicht einmal mit ihrem Augenlied. So hatte er sich dieses scheinbar seltene Wahrzeichen der australischen Tierwelt nicht vorgestellt. Er wünschte sich einen fauchenden Drachen mit aufgestelltem Kragen. „Und Fotos kann man durch diese blöde Glasscheibe auch keine machen!“ Enttäuscht wandte er sich dem Krokodil und Thorny Devils (Dornteufel) zu.
In der sich anschließenden „Tiershow“ hatten wir noch einmal die Gelegenheit verschiedene Echsen und eine Schlange auf die Hand, bzw. Schulter zu nehmen.
Erneut habe ich die Schlangenmassage genossen, während Chrischi das Glück hatte, von der Schlange fest in einen unangenehmen „Griff“ genommen zu werden, der bei den anderen Besuchern für einen ordentlichen Lacher gesorgt hat. Die Würgeschlange glitt von seinen Schultern an seinem Körper hinunter und wand sich durch seine Beine, wobei sie sich an seinem Schritt festzog. Chrischi machte große Augen und bat die Pfleger dann freundlich aber entschlossen, das Tier doch bitte von ihm zu entfernen.

Die zweite Station des Tages war die „School of the Air“. Hier hatte ich nun endlich die großartige Gelegenheit Einblick in den größten Klassenraum der Welt zu bekommen.
Die 1951 gegründete Schule bietet die Grundlage der schulischen Bildung für die Kinder, welche in abgelegenen Gebieten des Northern Territory leben und denen ein regelmäßiger Schulbesuch, so wie wir ihn kennen, unmöglich ist. In der „School of the Air“ wurden die Kinder damals über das Funkgerät, und heute übers Internet unterrichtet.
In Alice Springs hat man die Möglichkeit die Schule, die lediglich aus einer Art Radio- bzw. Fernsehstudio besteht, zu besichtigen und Unterrichtstunden live mitzuerleben.
Da derzeit Sommerferien sind, blieb uns dieses Erlebnis leider vorenthalten, allerdings konnten wir uns aufgezeichnete Stunden ansehen um einen Eindruck zu bekommen, wie Kinder unterrichtet werden, die in einem Gebiet von 1.300.000 km2 (4-fache Größe Deutschlands) verteilt sind. Es ist interessant, wie sich die Kinder in einer Klassengemeinschaft fühlen, obwohl sie sich häufig nie persönlich getroffen haben, sondern sich nur von der Stimme, Fotos und heute über Videoübertragung (wie Skype) kennen.
Ich war völlig begeistert, sowie gerührt und kam aus dem Staunen und Fragen stellen gar nicht heraus.
Ich habe sehr viel dazu gelernt und bin dankbar für diese wunderbare Gelegenheit.

Im Anschluss gab es das 3. Highlight des Tages. Wir haben das Besucherzentrum der „Royal Flying Doctors“ besichtigt. In der originalen Basis konnten wir einen Einblick bekommen, wie die „Fliegenden Ärzte“ seit 1939 arbeiten und haben so Einiges über diesen einzigartigen Service gelernt. Wir bekamen einen Eindruck davon, wie die medizinische Versorgung in isolierten Gebieten des Outbacks sichergestellt wird.
Obwohl wir uns dessen eigentlich bewusst waren, hat dieser Besuch noch einmal verdeutlicht, wie aufgeschmissen man doch sein kann, wenn man im Outback unterwegs ist und dort etwas Unvorhergesehenes passiert, wie ein Autounfall, Schlangen- oder Spinnenbiss, oder sonstige Erkrankungen. In diesen Gebieten hat man keinen Handyempfang und kann bis heute nur über Radiofunk kommunizieren. Solche Art von Kommunikationsgeräten sind auf fast jeder Farm (die allerdings kilometerweit auseinander liegen) und in unregelmäßigen Abständen an Straßenrändern vorhanden.
Ich war begeistert von den Daten und Fakten, mit denen wir bei unserem Besuch konfrontiert wurden und berührt von den Geschichten einiger Betroffener, denen das Leben durch den Service der „Royal Flying Doctors“ gerettet wurde.

Nachdem wir nun an Informationen gesättigt waren, haben wir endlich ein neues Zelt gekauft. Diesmal wollten wir unsere Ansprüche etwas zurückstellen und haben die praktischen Aspekte eines kleineren Zeltes über die komfortablen gestellt. Also entschieden wir uns für ein 3-Personenzelt (Unser Altes hatte die Größe für 6 Personen, bot somit allerdings auch mehr Angriffsfläche für Wind und Wetter).
Danach schlenderten wir eine Weile durch den Supermarkt. Inzwischen war es drei Uhr nachmittags und eigentlich war geplant, den Rest des Tages in Alice Springs zu verbringen. Da wir uns jedoch alles angesehen hatten, was wir sehen wollten (inklusive der Innenstadt), bekamen wir irgendwie wieder Flöhe im Hintern.
Scheinbar hatten wir beide die selben Gedanken, wollten sie, aus Angst den anderen zu stressen, nur nicht aussprechen. Irgendwie kam es dann erst ganz langsam und anschließend immer energischer aus uns heraus.
„Du, was hältst du davon…?“
„Wie wäre es wenn…?“
„Wollen wir vielleicht…?“
„Könnten wir nicht…?“
„Jaaaaaaaaaaa, lass uns heute noch weiterfahren!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!“
Als Nächstes stand ein Besuch in der Western McDonalds Range auf dem Plan. Also schmissen wir die Einkaufstaschen ins Auto und verließen Alice Springs mit quietschenden Reifen … naja, das war jetzt ein bisschen übertrieben.
Jedenfalls waren wir wieder unterwegs. Im Auto unterhielten wir uns angeregt, während Chrischi am Steuer saß und ich den Straßenatlas auf meinem Schoß liegen hatte.
Nach einer ganzen Weile stutzte ich, weil die Gebirgskette links neben mir plötzlich nicht mehr zu sehen war. Das war komisch, schließlich wollten wir doch genau da hin, in die Berge. Doch weit und breit war kein Stein zu sehen. Nur Buschlandschaft soweit das Auge reichte.
Angestrengt starrte ich auf die Karte. „Sag, mal weißt du wo wir sind?“, fragte ich Chrischi verunsichert. „Na auf’m Weg zur Western Mc Donalds Range“. Dann nannte er einen Ort, an dem wir kürzlich vorbeigefahren waren. Gestresst suchte ich nach diesem Namen auf der Karte und erschrak. Dann ratterte es in mir und ich überlegte, wie ich Chrischi am Besten beibringen könnte, dass wir die Abfahrt vor 50 km verpasst hatten und er nun diese Strecke zurückfahren musste.
Wir fuhren noch ca. 3 Minuten mit 100 km/h in die falsche Richtung, bis Chrischi mir glaubte, dass ich keinen Spaß mache.
Er reagierte mit unerwarteter Gelassenheit und wendete ohne zu murren.
Schließlich erreichten wir kurz vor der Dämmerung den Rastplatz im Nationalpark, auf dem wir übernachten wollten.
Stolz bauten wir unser neues Zelt auf. Dann machten wir es uns auf unseren Campingstühlen an der Grillstelle gemütlich und genossen unserer Abendessen in der freien Natur. Wir waren ganz alleine. Keine Menschenseele war zu sehen. Es war still und wir lehnten uns solange entspannt zurück bis es dunkel war und wir von den Mücken beinahe aufgefressen wurden.
Als wir es uns im Zelt gemütlich machen wollten, stellten wir fest, dass irgendetwas mit der Größe nicht stimmte. Entweder waren wir beide in Richmond echt fett geworden, oder das Zelt war keineswegs für 3 Personen geeignet. Naja, vielleicht für Liliputaner… es war viel zu klein. Nicht einmal mehr unsere Stoffschildkröte „Dudse“ fand Platz neben uns. Somit war der Familienfriede gestört und versuchten völlig gekrümmt und gequetscht in den Schlaf zu finden.
Hinzu kam, dass es mal wieder sehr stürmisch war und ich aufgrund unserer Erfahrungen mit Wind völlig verängstigt war, unser neues Zelt würde ebenfalls kaputt gehen.
Während ich mich noch über diese Enge und den Wind aufregen wollte, tangierte Chrisch seine Embryonalstellung komischerweise keineswegs und er schlief neben mir wie ein Riesenbaby in seiner Wiege.

Eingestellt von Julie_Swen 01:04

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